Fragen und Antworten zur Windkraft

Fragen im Überblick:

  • Warum wird die Erzeugung von Strom aus Wind- und Sonnenergie weiter ausgebaut?
  • Windkraft, Wasserkraft oder Photovoltaik – Wo liegen die Vorteile?
  • Wie viel Platz braucht eine Windkraftanlage?
  • Was passiert am Ende der Nutzungszeit von Windkraftanlagen?
  • Gewinne für die Betreiber – Bürgerinnen und Bürger beteiligen
  • Können die Anrainer billigen Strom aus dem Windpark beziehen?
  • Warum gibt es im Weinviertel so viele Windräder?
  • Wie viel Schall erzeugen Windräder?
  • Was machen die Windräder bei Eisbildung?
  • Warum blinken rote Lichter nachts auf Windkraftwerken?
  • Wie wird der Vogelschutz im Rahmen von Projektprüfungen berücksichtigt?
  • Welche Auswirkungen haben Windräder auf Wild- und Nutztiere
  • Wie laufen Genehmigungsverfahren im Windbereich ab?
  • Welchen Kriterien folgt das UVP-Verfahren?
  • Mindest-Abstände von Windenergieanlagen zu Wohnbauland in NÖ

Warum wird die Erzeugung von Strom aus Wind- und Sonnenergie weiter ausgebaut?

Der Umbau unseres Energiesystems Richtung Klimaschutz und Unabhängigkeit von Stromimporten ist eine wichtige Aufgabe, die große Investitionen in unsere Energiewirtschaft erfordert.Österreich und Niederösterreich haben es sich zum Ziel gesetzt, die Versorgung mit elektrischer Energie durch regionale erneuerbare Stromproduktion bis 2030 sicher zu stellen. Dem Ausbau der Windstromerzeugung kommt dabei ein wichtiger Stellenwert zu.Durch den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion ist es bereits gelungen, alle Kohlekraftwerke in Österreich – auch das niederösterreichische Kohlekraftwerk Dürnrohr – stillzulegen.Windkraft spielt eine Schlüsselrolle beim Ausstieg aus Kohle, Öl und Atom, weil Wind in großen Mengen vorhanden ist und mit geringen Kosten in sauberen Strom umgewandelt werden kann. Dazu müssen regionale Stärken genutzt werden, aber professionell und richtig: Windkraftnutzung im Bezirk Hollabrunn ist die richtige Technologie, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit.

Windkraft, Wasserkraft oder Photovoltaik – Wo liegen die Vorteile?

Über ein Jahr gesehen fällt der höchste Stromverbrauch im Winter an, also in einer Zeit, in der die Wasserkraft auf ein Minimum absinkt. Der Stromverbrauch in den Hauhalten steigt in dieser Zeit durch mehr Beleuchtung oder Strom für Wärmepumpen. Mehr als die Hälfte des Stroms kommt dann aus Wärmekraftwerken, die in Österreich mit importiertem Erdgas befeuert werden. In den letzten Jahren stieg gerade im Winter der Stromimport stark an: ausländische Kohle- und Atomkraftwerke sind dann für unsere Versorgungssicherheit notwendig.

Die gute Nachricht: Zwei Drittel des Stroms aus Windkraft werden im Winterhalbjahr erzeugt. Damit ist Windstrom die ideale Ergänzung zur Wasserkraft. Mit Stromsparmaßnahmen und einem gezielten Ausbau der erneuerbaren Energien könnte Österreich seine gesamte Stromerzeugung vollständig auf ein nachhaltiges System umstellen. Ziel der Bundesregierung und des Landes Niederösterreichs ist es, im Jahr 2030 den gesamten Stromverbrauch durch inländische erneuerbare Energie bereitzustellen.Für den erfolgreichen Umbau unseres Energiesystems sind daher alle erneuerbaren Energieformen wichtig.

Wie viel Platz braucht eine Windkraftanlage?

Zur Errichtung und für den Betrieb von Windkraftwerken werden bestehende Wege und landwirtschaftliche Flächen genutzt. Die Windkraft Simonsfeld bemüht sich, in erster Linie bestehende Wege zu ihren Windkraftanlagen zu nutzen. Zur Verbesserung der Befahrbarkeit bei allen Witterungslagen investieren wir im Einvernehmen mit den Erhaltern der Wege in deren Zustand. Von unseren Maßnahmen zur Verbesserung dieser wichtigen Infrastruktur profitieren somit in der Regel auch die Gemeinden weil sie sich die Erhaltungskosten ersparen und die örtlichen Landwirte durch die erleichterte Bewirtschaftung ihrer Felder. Während der Bauphase werden insbesondere die Kurvenradien für Schwertransporte temporär erweitert. Ein Teil dieser Maßnahmen wird nach Abschluss der Bauphase wieder rückgängig gemacht. Der Flächenbedarf pro Windkraftanlage differiert nach Anlagentyp, aber in der Regel liegt der Bedarf von etwa 4.000 m2.

Was passiert am Ende der Nutzungszeit von Windkraftanlagen?

Windkraftwerke sind Kraftwerke auf Zeit. Nach Auslaufen ihrer geplanten Lebenszeit werden Flächen in windstarken Gegenden in der Regel weiter zur Windstromerzeugung genutzt. Die Altanlagen werden abgebaut, und neue Windkraftanlagen werden im selben Gebiet errichtet. Die neue Anlagengeneration kann die Windverhältnisse in der Regel noch effizienter nutzen. Meist werden daher mehr Altanlagen abgebaut als neue Windenergieanlagen im selben Windpark errichtet.

Die Windkraft Simonsfeld baut heuer den dritten Windpark ihrer Firmengeschichte ab – um im selben Gebiet leistungsfähigere und effizientere Windräder zu errichten. Der weitgehend rückstandsfreie Abbau ist uns dabei besonders wichtig: Rotorblätter, Maschinenhäuser und Türme werden demontiert und abtransportiert. Sie werden an anderen Standorten nochmals aufgebaut und weiter betrieben oder dienen als Ersatzteillager für Windkraftwerke desselben Typs die noch im Einsatz sind. Auch das Betonfundament wird zerkleinert und aus dem Boden entfernt. Die zerkleinerten Teile werden als Baustoffe recycelt oder im Wegebau weiterverwendet. Bis zu einer Tiefe von 1,5 Metern werden auch die der Standortsicherheit dienenden Piloten aus dem Erdreich entfernt und rückgebaut.

Gewinne für die Betreiber – Bürgerinnen und Bürger beteiligen

Ja, die Windkraftbetreiber erwirtschaften mit Windrädern Gewinne. So wie jeder andere Geschäftstreibende auch. Wenn man am Ende einen Bilanzstrich unter den Kosten und Einnahmen setzt, dann sollte ein positives Ergebnis herauskommen. Denn damit zahlen die Windkraftbetreiber die Löhne ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Österreich sind derzeit rund 4.000 Arbeitsplätze in der Windkraftbranche permanent beschäftigt. Dazu kommen viele Arbeitsplätze in der Bau- und Zuliefer-Industrie.

Die Windkraft Simonsfeld versteht sich als Bürgerbeteiligungsunternehmen. Für uns heißt das, dass wir allen Interessierten die Möglichkeit geben wollen, mit uns in die Nutzung erneuerbarer Energien zu investieren. Wir tun dies mit Aktien – und bieten damit eine Miteigentümerschaft mit Stimmrecht und Gewinnbeteiligung an unserem Unternehmen – und mit Anleihen – über die man sich zu fixen Zinssätzen auf Zeit am Wachstum unseres Unternehmens beteiligen kann. Bisher haben mehr als 3.000 Personen diese Chance genutzt und haben in unsere Form der Energiewende veranlagt. Mehr als 2.000 von ihnen sind Aktionärinnen und Aktionäre, die langfristig mit uns unsere Kraftwerke betreiben.

Können die Anrainer billigen Strom aus dem Windpark beziehen?

Leider nein. Das ist aufgrund der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht möglich. Das europäische Stromnetz ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Denn jeder Netzbetreiber muss dafür Sorge tragen, dass zu jedem Zeitpunkt exakt so viel Energie ins Netz eingespeist wird, wie in diesem Augenblick auch verbraucht wird. Das geht nur über die Koordination aus hunderten Kraftwerken, Verteilerstationen, Speicherkraftwerken und vielem mehr. Deshalb wird auch Windenergie ins überregionale Verteilernetz eingespeist, das diese Verteilung der erzeugten und benötigten Energie ermöglicht. Nur dieses Verteilernetz garantiert, dass Sie zu jeder Zeit jene Spannung und Frequenz in Ihrer Steckdose haben, die Ihre Geräte und Anlagen benötigen.

Warum gibt es im Weinviertel so viele Windräder?

Wind gibt es in ganz Österreich, für die professionelle Nutzung der Windenergie sind jedoch nur Teile von Österreich geeignet. Vor allem im nordöstlichen Niederösterreich und im nördlichen Burgenland gibt es hervorragende Windzonen, die die Produktion von Strom durch Wind ermöglichen.

Wie viel Schall erzeugen Windräder?

 Im Rahmen des Bewilligungsverfahrens werden aufwendige Untersuchungen der regionalen Schallpegel vorgenommen. Windkraftwerke werden nur bewilligt, wenn ihr Betriebsgeräusch den Schallpegel zur Nachtzeit nicht maßgeblich erhöht. Dafür werden mehrere Messpunkte im Ortsgebiet festgelegt. Die Gutachten werden von unabhängigen Gutachtern der Landesbehörden überprüft und bewertet. Im Zweifelsfall können Anlagen so gesteuert werden, dass sie bei bestimmten Witterungslagen und Tageszeiten schallreduziert betrieben werden.

Im Normalfall wird das Geräusch der sich drehenden Rotorblätter von den natürlichen Umgebungsgeräuschen, wie z. B. Blätterrascheln, übertönt. Direkt an der Nabe verursacht ein modernes Windrad ein Betriebsgeräusch von etwa 105 dB  Schon in 500 Meter Entfernung ist das Geräusch aber mit ca. 45 dB nur mehr so laut zu hören, wie es der Lautstärke eines „angeregten Gespräches“ entspricht. Die Windkraftanlagen bei Wullersdorf werden mehr als 1.800 m  vom nächsten gewidmeten Wohnbauland sein. Der Mindestabstand in Niederösterreich beträgt 1.200 m.

Was machen die Windräder bei Eisbildung?

Moderne Anlagen sind mit elektronischen Sensoren ausgestattet, die eine Vereisung erkennen und die Anlage automatisch abschalten. Aufgrund behördlicher Vorschriften sind mindestes zwei voneinander unabhängige Eissensoren vorgeschrieben. Wenn sich Eis an den Windrädern ansetzt, handelt es sich hauptsächlich um sogenanntes „Raueis“. Lediglich bei einer Vereisung durch Eisregen kann es zu kompakterem Eisansatz kommen und Eis von den abgeschalteten Anlagen herunterfallen. Ein sogenannter. Eisabwurf ist durch die strengen gesetzlichen Vorschriften seit Jahren kein Thema mehr. Hinweisschilder machen im Gefährdungsbereich in unmittelbarer Nähe der Anlagen auf die mögliche Gefahr von Eisabfall aufmerksam.

 Warum blinken rote Lichter nachts auf Windkraftwerken?

Die roten Blinklichter auf Windkraftwerken dienen der Sicherheit des Flugverkehrs. Aktuell verfolgt unsere Branche mehrere Initiativen, welche den Betrieb dieser optischen Warnsignale optimieren. Unter anderem wird die Installation von transponderbasierten Erkennungssystemen in Windparks erwogen und bereits in Projekten erprobt, welches erst in der Anflugphase von Flugobjekten die optischen Warnsysteme auf den Windkraftwerken aktivieren soll. Derzeit wird dieses System technisch und rechtlich geprüft. Auch wir beteiligen uns an einer technischen Versuchsreihe mit einer Pilotanlage auf einem unserer Windkraftwerke. Erste Ergebnisse lassen uns hoffen, dass die Blinkphase auf ein bis drei Prozent reduziert werden kann. Die Entscheidung liegt derzeit im Klimaministerium, bei dem auch die Sicherheit der Luftfahrt angesiedelt ist.

 Wie wird der Vogelschutz im Rahmen von Projektprüfungen berücksichtigt?

Durch eine sorgsame und gezielte Standortplanung lassen sich die Auswirkungen von Windrädern auf die Lebensräume und Durchzugsgebiete von Vögeln deutlich reduzieren. In Natur- und Vogelschutzgebieten werden in der Regel keine Windräder aufgestellt. Bei allen Windkraftprojekten werden umfassende Untersuchungen der regionalen Vogel- und Fledermaus-Bestände durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Verhalten von Zugvögeln in der Region. Nur wenn diese, in der Regel auf mindestens ein Jahr ausgelegten Untersuchungen zu positiven Ergebnissen gelangen, wird die naturschutzrechtliche Bewilligung erteilt.

Welche Auswirkungen haben Windräder auf Wild- und Nutztiere?

Eine dreijährige Studie des Instituts für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (IWFo) belegt, dass keine negativen Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Vorkommen und Verhalten von Tieren wie Rehwild, Rotfuchs, Feldhase oder Rebhuhn festzustellen waren. Wild- und Nutztiere meiden die belebte Baustelle meist nur in der Bauphase. Danach tritt nach kürzester Zeit ein Gewöhnungseffekt ein. Auch das Gros der Jäger sieht in den Windrädern keine gravierende Störquelle für jagdbares Niederwild.

 Wie laufen Genehmigungsverfahren im Windbereich ab?

Prinzipiell wird zwischen Einzelverfahren und konzentrierten Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) unterschieden. Beim Einzelverfahren werden die einzelnen Fachbereiche („Materien“) in individuellen Verfahren geprüft. Beim UVP-Verfahren findet eine Gesamtprüfung aller Fachbereiche unter Einbezug aller Parteien in einer öffentlichen Verhandlung statt.

Welchen Kriterien folgt das UVP-Verfahren?

? Abklärung aller relevanter Fragen (Schall, Schatten, Ornithologie usw.)

?Geprüfte Schutzgüter: Grundwasser, Boden, Luft, Gesundheit / Wohlbefinden, Ortsbild / Fremdenverkehr, Landschaftsbild, Naturschutz / Ornithologie, Wohn- und Baulandnutzung, Verkehr, Forstwirtschaft, Jagdwirtschaft, Freizeit / Erholung, Landwirtschaft

Mindest-Abstände von Windenergieanlagen zu Wohnbauland in NÖ

? In der eigenen Gemeinde: 1.200 m zu gewidmetem Wohnbauland

? Zur Nachbargemeinde: 1.200 m / 2.000 m zu gewidmetem Wohnbauland (mit / ohne Zustimmung der Gemeinde)

? Damit hat NÖ eine der strengsten Abstandsregelungen Europas!

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